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Alles geht in Afrika – Teil 1: Grenzerfahrung

Wer behauptet, in Afrika würde nichts funktionieren, lügt ganz einfach. In Afrika klappt alles. Und um euch das zu beweisen, nenne ich gerne einige Beispiele. Hier das erste:

Vor ein paar Tagen trafen wir am frühen Nachmittag an der namibischen Grenze ein. Wir wussten, dass wir eine Visagebühr würden zahlen müssen. Namibisches Geld hatten wir aber natürlich noch keines. Das südafrikanische war an der letzten Tanke kurz – das heißt in Afrika 250 Kilometer – vor der Grenze, für lauwarme Cola drauf gegangen.

Das einzige andere Getränk, dessen Verfallsdatum noch nicht seit dem Eintreffen der ersten Siedler abgelaufen war, war ein grünlich schimmernder Schnaps, in dem ein dicker Wurm schwamm. Wir haben ganz kurz überlegt …

Man hatte uns jedenfalls gesagt, dass es an der Grenze einen Geldautomaten geben würde. Visa? Mastercard? Ja, kein Problem, die funktionieren da alle. Wir waren beruhigt – was eigentlich nur daran liegen kann, dass wir bereits dem afrikanischen Gleichmut verfallen sind. Denn aus Erfahrung hätten wir zumindest Zweifel haben sollen.

Wir fuhren also ohne Bargeld in der Tasche zur Grenze. Was blieb uns auch anderes übrig? In den letzten drei Städtchen, durch die wir gekommen waren, gab es entweder keinen Automaten oder er akzeptierte nur einheimische Geldkarten. Die nächste Bank, bei der wir sicher Geld hätten ziehen können, lag etwa 300 Kilometer entfernt.

„Das macht dann 200 namibische Dollar“, sagte die Grenzbeamtin als sie uns die Dokumente aushändigte. Sie saß an einem Schreibtisch mit abgegriffener Holzplatte. Von den rissigen Wänden bröckelten die ockergelbe Farbe und der Putz. Vor ihr stand ein Ungetüm von einem PC. Er sah genauso aus, wie mein alter Amiga, den mein Vater mit nach Hause gebracht hatte, als ich ungefähr neun Jahre alt war. Hinter der Grenzbeamtin stand auf einem Schränkchen ein zugeklapptes Stempelkissen.

Die Dame hatte eine erstaunliche Stempel-Technik entwickelt. Und die ging so: Man reichte ihr den Pass, den man zuvor bereits von einer ihrer Kolleginnen hatte abstempeln lassen. Sie klappte ihn auf und suchte die richtige Stelle, indem sie ihn in aller Ruhe Seite für Seite durchblätterte. Dann nahm sie ihren eigenen Stempel zu Hand, drehte sich auf ihrem Schreibtischstuhl um 180 Grad, öffnete das Stempelkissen, drückte den Stempel sekundenlang darauf, schloss das Stempelkissen, drehte sich wieder um 180 Grad zurück und knallte den Stempel in den Pass.

„Wir haben leider kein Bargeld dabei“, sagte ich, „nehmen Sie auch Kreditkarten?“ „Nein!“, war die simple Antwort. Dann Schweigen. „Und wie können wir dann zahlen?“, fragte ich wieder. „Wir nehmen keine Kreditkarten“, wiederholte die Grenzerin. Das hatte ich schon begriffen. „Können wir irgendwo Geld bekommen?“, fragte ich wieder. Sie zuckte mit den Achseln.

Ein Trucker, der neben uns gestanden hatte, sagte: „Da unten gibt’s einen Geldautomaten,“ Er zeigte in eine ungefähre Richtung hinter dem Grenzhäuschen. Nils lief los. Etwa 20 Minuten später kam er zurück. Er hatte sämtliche Karten, die er finden konnte, in den Automaten gesteckt. Aber keine hatte dem Kasten Geld entlocken können. Dafür brachte er etwa 35 Ausdrucke mit dem Hinweis „Invalid – Ungültig“ mit.

Nun lief ich los, um mein Glück mit drei weiteren Karten zu versuchen – Visa, Mastercard, Maestro. Mal sehen. Als ich den Automaten erreichte – zuvor hatte ich einen Bahndamm erklimmen, über die Schienen klettern und etwa 500 Meter ins staubtrockene, namibische Hinterland wandern müssen – schaltete ein Typ im Blaumann ihn gerade ab. Der Bildschirm war schwarz. „Kommen Sie Montag, dann geht er wieder“, sagte er mit einem breiten, wirklich freundlich gemeinten Lächeln. Kein Problem. Das ist ja schon in fünf Tagen. Campen wir doch einfach hier.

Der Besitzer der Bar, die sich direkt nebenan befand, hatte das Schauspiel beobachtet. Ich ging auf ihn zu und fragte: „Kann ich vielleicht bei Ihnen etwas mit Karte kaufen und Sie berechnen einfach mehr und geben mir den Rest bar raus?“ Er schüttelte den Kopf: „Habe keinen Kartenleser.“ Mist!

Ich wollte gerade verzweifelt zurück zur Grenze laufen und anbieten eine Packung Kugelschreiber oder zur Not auch meinen iPod gegen den Eintritt ins Land zu tauschen, als der Barmann mir hinterher rief: „Haben Sie Dollar? Oder Euro?“ Ich kramte in meinem Portemonnaie. Tatsächlich: 45 Euro konnte ich zusammenkratzen.

Der Barbesitzer holte einen Taschenrechner hinterm Tresen hervor, tippte ein paar Minuten darauf herum, kritzelte etwas auf einen Zettel und präsentierte mir schließlich einen Wechselkurs. Ich hatte natürlich keine Ahnung, ob der stimmte. Er zog noch mal einen Betrag ab, den er der Bank für den Umtausch würde zahlen müssen und heraus kamen 360 namibische Dollar für 45 Euro. Deal! Er hätte mir auch die an der Grenze verlangten 200 anbieten können und ich wäre darauf eingegangen.

Mit dem Geld lief ich zurück zur Grenze. Wir zahlten und fuhren glücklich in den rotglühenden Sonnenuntergang – der in Namibia zugegebener Maßen schon um 17.30 Uhr beginnt.

 

© 2020 Daniela Meyer | www.hauptstadtjournalisten.de