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Grenzerfahrung Nr.1 - Botswana (von Nils)

Wir stehen vor einem dunklen Wasserloch und können nicht weiter. Aus dem Dickicht nähert sich mit langsamen, schlurfenden Schritten eine Gestalt. Laut schmatzend und kauend kommt sie auf uns zu. Plötzlich hält sie inne, röchelt und spuckt geräuschvoll aus. Einmal – zweimal. Es sind Hühnerknochen.

Am Fenster unseres Auto macht sie halt und presst sie zwischen zwei Rülpsern hervor: „Welcome to Botswana“. Okay, wir haben keinen Begrüßungstanz mit dem anschließenden Umhängen von Blumenkränzen erwartet, aber auf diese herzerwärmende Art sind wir noch in keinem afrikanischen Land empfangen worden.

Das dunkle Wasserloch ist übrigens eine Art Desinfektionsbrühe. Durch diese müssen die einreisenden Pkw fahren, um nicht die Maul- und Klauenseuche nach Botswana zu tragen. Beim Anblick kann man sich allerdings die berechtigte Frage stellen, ob beim Durchfahren nicht mehr Krankheiten übertragen als verhindert werden.

Doch nicht nur unser Zuluboy muss durch die Brühe. Es kommt viel schlimmer. Die freundliche Grenzbeamtin fordert uns auf, unsere Schuhe über einen zerfetzten, in der Brühe getränkten Lappen zu ziehen, um unsere Sohlen zu säubern. Man kann Danies Anspannung förmlich spüren. Leicht verunsichert fragt sie: „Alle Schuhe?“ „Alle“ ist die unmissverständliche Antwort der freundlichen Beamtin. Danies Albtraum von der coolen Bar in Nairobi (siehe Blogeintrag „Gepäcksorgen“) wird um die Variante erweitert, dass sie zwar ihre goldenen Stilettos trägt, als sie von dem heißen Typen angesprochen wird, diese allerdings total verrottet sind und zum Himmel stinken. Nur mit größter Mühe, indem ich ihr von der Schönheit Botswanas, der unberührten Natur, der Artenvielfalt, den wilden Tieren und den herrlichen Sonnenuntergängen vorschwärme, kann ich sie davon abhalten, auf der Stelle kehrt zu machen, Botswana von der Reiseroute zu streichen und den Umweg durch das krisengeschüttelte Angola zu nehmen.

Also beugen wir uns der Staatsmacht. Ich, pflichtbewusst wie ich bin, suche meine drei Paar Schuhe zusammen und rubbele sie leidenschaftlich über den Drecklappen. Danie sucht ihre „zwei“ Paar Schuhe zusammen und hält sie vorsichtig in die nähere Umgebung des Lappens. Spätestens hier hätte jeder hart ermittelnde Grenzbeamte eingreifen müssen. Welche Frau besitzt nur zwei Paar Schuhe? Aber unsere freundliche Staatsdienerin ist zu sehr damit beschäftigt, sich die restlichen Hühnerknochen aus den Zähnen zu puhlen. Auf Danies Frage, ob sie ihre Schuhe nun wieder einpacken dürfe, kommt nur die läppische Antwort, dass sie sie auch gerne wegwerfen könne. Nicht nur freundlich und aufmerksam sind sie, die botswanischen Grenzbeamten, sondern auch noch humorvoll.

Damit ist die Kontrolle jedoch längst nicht vorbei. Es folgt die Inspektion der Lebensmittel. Denn auch Fleisch- und Milchprodukte dürfen nicht nach Botswana eingeführt werden. Ich brauche wahrscheinlich nicht zu erwähnen, dass auch diese Überprüfung mit derselben Inbrunst wie die vorherigen durchgeführt wird. Da unsere freundliche Beamtin nur so hoch wie breit ist, kann sie gerade mal die oberste Schicht unseres vollgepackten Kühlschranks in Augenschein nehmen. Ihr Interesse gilt aber offenbar etwas ganz Anderem. Als sie sich erkundigt, was sich in den grünlichen 0,75 Weinflaschen in unserer Vorratsbox befindet, die sie aufgrund ihres Höhendefizits nicht richtig erkennen kann, reagiert Danie geistesgegenwärtig und sagt, dass es sich um Öl und Essig handele. Schon ist das Interesse erloschen.

Carsten und Mandy haben bei ihrer Kontrolle leider nicht ganz so viel Glück. Ihre Bierflaschen stehen genau in Augenhöhe der Beamtin. Offenbar darf auch Alkohol nicht nach Botswana eingeführt werden und muss von den leitenden Grenzbeamten direkt vor Ort vernichtet werden. Unsere engagierte Beamtin fragt daher in pflichtgemäßer Ausübung ihres Amtes, ob dies Bier sei und bemüht sich durch strenges, aufmerksames Umherblicken anzudeuten, dass die Kontrolle auch sorgfältiger durchgeführt werden kann, falls die Antwort nicht zu ihrem Wohlgefallen ausfällt. Carsten, der natürlich die hiesigen Bierimportgesetze bestens kennt bzw. seine 800 Gramm Oryx-, Kudu- und Rinderfiletsteaks mit allen Mitteln verteidigen möchte, lässt sich nicht zweimal bitten. Er bietet der freundlichen Dame eine 1 Liter Flasche Castle Lager an und schon ist der Ermittlungseifer gestillt.

Sichtbar gut gelaunt wünscht sie uns noch einen angenehmen Aufenthalt in Botswana und schlurft mit der konfiszierten Ware zurück zum Grill, wo schon drei ihrer Kollegen durstig auf sie warten.

PS.: Ich möchte an dieser Stelle kurz anmerken, dass alle anderen Menschen in Botswana überaus freundlich, offen und hilfsbereit sind, und die Grenzbeamtin offenbar eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

 

© 2019 Daniela Meyer | www.hauptstadtjournalisten.de