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Alles geht in Afrika – Teil 2: Papierkrieg

Wer behauptet, in Afrika würde nichts funktionieren, lügt ganz einfach. In Afrika klappt alles. Und um euch das zu beweisen, nenne ich gerne einige Beispiele. Hier das zweite:

Das größte Problem wird sein, schnell ein gutes Auto zu finden – hatte ich zumindest gedacht, als ich in Deutschland noch mitten in den Reisevorbereitungen steckte. Aber das war natürlich falsch. Einen Wagen hatten wir nach drei Tagen.

Der Gebrauchtwagenmarkt in Südafrika ist gigantisch. In Johannesburg gibt es kilometerlange Straßenzüge, an denen man ausschließlich Autohändler findet. Privatleute stellen ihre Angebote auf viel besuchten Websites wie Autotrader ein. Und mehrmals in der Woche finden Zwangsversteigerungen statt - meist gebotene Marke auf den Versteigerungslisten ist BMW.

Wie in China sind schicke Schlitten hier zu einem absoluten Prestigeobjekt geworden. Der Unterschied zu China ist allerdings, dass man hier nicht so lange spart, bis man sich den Wagen wirklich leisten kann. Man kauft ihn einfach. Und zwar mit geliehenem Geld. Kein Wunder also, dass viele Autos recht schnell wieder zum Verkauf stehen.

Wir mussten unseren Mitsubishi Colt übrigens bar zahlen, da eine Überweisung vom deutschen Konto mindestens eine Woche gedauert hätte. Fast zwei Stunden warteten wir am Bankschalter in Johannesburg. Trotz telefonischer Voranmeldung musste das Geld offenbar erst noch gedruckt werden. In 100-Rand-Scheinen – umgerechnet etwa zehn Euro – zählte uns der Bankangestellte schließlich 70.000 Rand auf den Tresen. Ich fühlte mich erneut an China erinnert, wo der größte Geldschein eine 100-Renmimbi-Note ist und ebenfalls einen Wert von zehn Euro hat.

Bei den Chinesen ist es gute Sitte, alles bar zu bezahlen. Daher kann jeder Autoverkäufer im Land lustige Geschichten von Leuten erzählen, die mit Koffern voll 100-Renmimbi-Scheinen einen Wagen im Wert von 60.000 Euro abholen. Wir brauchten zwar keinen Koffer. Unsere 4x4-Maschine kostete umgerechnet nur 6400 Euro. Aber ein Rucksack war schon nötig, um die Geldbündel zu transportieren.

Das eigentliche Problem tat sich allerdings erst nach dem Kauf auf. Wir mussten die Karre ja schließlich noch anmelden. Ja, selbst in Afrika kann man sich nicht einfach hinters Steuer setzen und losfahren. Die Bürokratie ist hier teil sogar ausgeprägter als in Deutschland. Kann aber auch leichter umgangen werden.

In Südafrika bekommt man beispielsweise – aus Sicherheitsgründen – nicht mal eine Prepaidcard fürs Handy, wenn man keinen lokalen Wohnsitz angeben kann. Das ist Gesetz. Wenn man aber eindringlich genug behauptet, man sei gerade erst hergezogen. Und dazu aufgeregt mit einem kopierten Mietvertrag wedelt, in den man einfach seinen eigenen Namen gekritzelt hat, bekommt man trotzdem eine südafrikanische Telefonnummer.

Den Wohnsitz in Südafrika hatten wir uns also schon zum Kauf der Prepaidcard besorgt. Zur Autoanmeldung sollten wir zusätzlich unsere Pässe und den Kaufvertrag fürs Auto mitbringen. Dann würde es etwa drei Wochen oder etwas länger (also etwas länger) dauern und schon hätten wir unsere Registrierung in der Tasche. So viel Zeit hatten wir natürlich nicht.

Der alte Knacker, von dem wir unseren Geländeschlitten gekauft hatten, sagte, er habe einen Freund, der einen Freund, der einen Freund, der einen Freund, der einen Freund in irgendeiner Behörde hat. Und diesem Freund (dem ersten in der Reihe) sollten wir einfach unsere Papiere und ein wenig Bares aushändigen. Er würde uns die Registrierung sowie eine Importlizenz für unsere weiteren Reiseländer innerhalb von zwei Tagen besorgen.

Da die Alternative nicht in Frage kam, trafen wir einen sogenannten Garfield oder Garfeld oder so ähnlich auf einem Supermarktparkplatz. Ein schwarzer Zwei-Meter-Hühne mit vergoldetem Schneidezahn. Fantastisch! Wir begrüßten uns mit dem üblichen afrikanischen Handshake – ein wildes Fingerhakeln, Abklatschen und Schnipsen. Danach ging es zu einem nahegelegenen Einkaufscenter, um unsere Unterlagen zu kopieren. Für uns. Mr. G. würde die Originale mitnehmen.

Bei der ersten Mall konnten wir nicht kopieren, da ein Stromausfall einen Großteil des westlichen Johannesburgs flachgelegt hatte. Alle Geschäfte hatten kurzfristig geschlossen. 30 Minuten fuhren wir zur nächsten. Wir kopierten, überreichten G. unser Zeug plus die erste Hälfte der 2000 Rand Bezahlung. Wir hatten ihn von 2500 runter gehandelt, waren aber dennoch überzeugt zu viel abzudrücken. Aber was soll's?

Das einzige, was wir von Garfield oder Garfeld oder Garvil hatten, war seine Handynummer. Aber die würden wir nicht brauchen, denn er würde uns ja anrufen. In zwei Tagen – spätestens. Wir warteten vier, bis wir zum ersten Mal leicht nervös selbst zum Hörer griffen. Wir hatten etwas länger ausgeharrt, um nicht schon wieder so wahnsinnig Deutsch rüberzukommen. Wir gelten hier nämlich als besonders „effizient“. Und das ist nicht als Kompliment gemeint.

G. ging natürlich nicht ran. Wir versuchten es den ganzen Tag. Wir sprachen zwei Mal auf die Mailbox. Und wir riefen den Auto-Verkäufer an, der ja mit Mr. G. über 85 Ecken irgendwie befreundet war. Ebenfalls nur die Mailbox.

Aus der Zeitung und von unseren überquellenden Mülltonnen erfuhren wir, dass sämtliche Behörden und die öffentlichen Dienste in Johannesburg die gesamte Woche streiken würden. Wir beruhigten uns damit, dass – nennen wir ihn einfach Garfield – wahrscheinlich noch keinen seiner Behörden-Bekannten erreicht hatte.

Und so war es denn auch. Wieder zwei Tage später rief er an. Es würde wegen des Streiks länger dauern. Er würde sich aber morgen wieder melden. Wir versuchten ihm klar zu machen, dass wir bald losfahren wollten, aber das schien ihn nicht zu beeindrucken.

Wieder vergingen drei Tage, an denen wir nichts hörten und unsererseits Garfields Mailbox zuquatschten. Er muss uns für die Effizienz in Persona gehalten haben. Zehn Tage nachdem wir ihm unsere Unterlagen überreicht hatten, meldete er sich schließlich und nannte wieder einen Parkplatz als Treffpunkt zur Übergabe. Wir kamen uns vor wie Drogenkuriere.

Wir trafen ihn und tauschten Geld gegen Dokumente. Die amtliche Anmeldung hatte er tatsächlich dabei. Zudem einen komischen Wisch, der angeblich die Importlizenz sein sollte. Wahrscheinlich ist es einfach irgendein bedruckter Zettel, den wir uns auch selber hätten basteln können. Wir werden an den verschiedenen Grenzen einfach eindringlich behaupten, das sei die Importlizenz, aufgeregt damit wedeln. Und mal sehen, was passiert ...

 

 

 

© 2019 Daniela Meyer | www.hauptstadtjournalisten.de